Wie viel Steuern muss ich als Selbstständiger zurücklegen?

Steuern · 18.03.2025

Wie viel Steuern muss ich als Selbstständiger zurücklegen?

Es ist einer der unangenehmsten Momente in der Selbstständigkeit: Das erste richtig gute Jahr ist geschafft, das Konto sieht solide aus, und dann flattert die Steuernachzahlung ins Haus. Wer nicht vorgesorgt hat, gerät schnell in eine finanzielle Schieflage, obwohl das Geschäft eigentlich gut läuft.

Die Lösung ist einfach im Prinzip und schwer in der Disziplin: Du legst von jedem Einkommen einen Teil für die Steuer zurück. Die spannende Frage ist nur, wie viel. In diesem Artikel klären wir, welche Steuern auf dich zukommen und wie du eine sinnvolle Rücklage bildest, ohne dich zu verkalkulieren.

Warum die Nachzahlung so oft überrascht

Als Selbstständiger bekommst du dein Geld brutto. Anders als beim Angestelltengehalt zieht niemand vorab Steuern ab. Das fühlt sich am Anfang gut an, ist aber eine Falle, denn das Finanzamt holt sich seinen Anteil später.

Besonders das erste volle Geschäftsjahr ist gefährlich. Die Steuer wird oft erst mit großer Verzögerung fällig, und parallel setzt das Finanzamt Vorauszahlungen für das laufende Jahr fest. Im schlimmsten Fall musst du also für zwei Zeiträume gleichzeitig zahlen. Wer hierfür nichts zurückgelegt hat, gerät unter Druck.

Welche Steuern auf dich zukommen

Damit du weißt, wofür du sparst, lohnt ein Blick auf die wichtigsten Steuerarten für Selbstständige. Grob sind das:

  • Einkommensteuer auf deinen Gewinn, also Einnahmen minus Betriebsausgaben

  • Umsatzsteuer, die du auf deine Leistungen erhebst und ans Finanzamt weiterleitest

  • gegebenenfalls Gewerbesteuer, wenn du gewerblich tätig bist

Wichtig ist die Unterscheidung: Die Umsatzsteuer ist eigentlich nie dein Geld. Du ziehst sie nur ein und gibst sie weiter. Deshalb solltest du sie gedanklich gar nicht erst zu deinem Umsatz zählen.

Die Umsatzsteuer sofort gedanklich abziehen

Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist, ist die Umsatzsteuer der größte Posten, bei dem Selbstständige sich selbst täuschen. Eine Rechnung über einen Bruttobetrag fühlt sich nach viel Geld an, aber ein erheblicher Teil davon gehört dem Finanzamt.

Am sichersten fährst du, wenn du die vereinnahmte Umsatzsteuer sofort als durchlaufenden Posten behandelst. Im Rahmen der Umsatzsteuer-Voranmeldung führst du sie regelmäßig ab, verrechnet mit der Vorsteuer aus deinen eigenen Ausgaben. Was übrig bleibt, ist dein eigentlicher Netto-Umsatz, auf den dann die Einkommensteuer entfällt.

Wie viel für die Einkommensteuer zurücklegen

Jetzt zur eigentlichen Frage. Eine pauschale Prozentzahl, die für alle passt, gibt es nicht, weil die Einkommensteuer progressiv ist. Das heißt: Je höher dein Gewinn, desto höher der Steuersatz auf den oberen Teil. Wer wenig verdient, zahlt anteilig weniger als jemand mit hohem Gewinn.

Als grobe Orientierung legen viele Selbstständige einen festen Anteil ihres Netto-Gewinns beiseite, und zwar lieber etwas mehr als zu wenig. Eine Rücklage, die am Ende zu groß war, ist ein angenehmes Problem. Eine zu kleine kann existenzbedrohend werden. Den für dich passenden Prozentsatz solltest du allerdings nicht raten, sondern anhand deiner erwarteten Gewinnhöhe mit deinem Steuerberater abstimmen.

Das Steuerkonto als feste Gewohnheit

Die beste Rücklage nützt nichts, wenn das Geld trotzdem im Alltag verschwindet. Deshalb der wichtigste praktische Tipp: Richte ein separates Konto nur für Steuern ein und überweise dorthin konsequent deinen festgelegten Anteil, am besten direkt bei jedem Zahlungseingang.

So entsteht gar nicht erst die Versuchung, das Geld auszugeben. Du behandelst die Steuerrücklage wie eine feste Ausgabe, nicht wie verfügbares Einkommen. Diese eine Gewohnheit erspart dir mehr schlaflose Nächte als jede andere Maßnahme.

Vorauszahlungen einplanen

Sobald das Finanzamt deinen ersten Steuerbescheid erstellt hat, setzt es in der Regel vierteljährliche Vorauszahlungen fest. Diese orientieren sich an deinem letzten Gewinn. Das ist eigentlich eine Hilfe, weil die Steuerlast so über das Jahr verteilt wird.

Problematisch wird es, wenn dein Gewinn deutlich steigt. Dann reichen die Vorauszahlungen nicht aus, und es kommt zur Nachzahlung. Behalte deine Rücklage also auch dann bei, wenn du schon Vorauszahlungen leistest, denn der eine Topf ersetzt den anderen nicht.

Fazit

Wie viel du zurücklegen solltest, hängt von deinem Gewinn und deiner Steuersituation ab, eine Universalzahl gibt es nicht. Sicher fährst du, wenn du die Umsatzsteuer als durchlaufenden Posten begreifst, von deinem Netto-Gewinn lieber etwas zu viel als zu wenig beiseitelegst und das Geld auf einem separaten Konto parkst. Den genauen Prozentsatz stimmst du am besten mit deinem Steuerberater ab.

Billendo hilft dir, den Überblick zu behalten: Im Dashboard siehst du Umsatz und offene Posten, die Umsatzsteuer-Voranmeldung wird automatisch summiert, und die Daten bilden die Grundlage für deine EÜR. So weißt du jederzeit, wie hoch dein tatsächlicher Gewinn ist und wie viel du sinnvollerweise zurücklegen solltest.