Stundensatz berechnen: So kalkulierst du als Freelancer

Buchhaltung · 25.02.2025

Stundensatz berechnen: So kalkulierst du als Freelancer

Was kostet eigentlich eine Stunde deiner Arbeit? Diese Frage klingt simpel, ist aber für viele Freelancer eine der schwierigsten überhaupt. Setzt du den Satz zu niedrig an, arbeitest du dich kaputt und verdienst trotzdem zu wenig. Setzt du ihn zu hoch an, ohne es begründen zu können, springen Kunden ab.

Die gute Nachricht: Dein Stundensatz ist keine Bauchentscheidung, sondern eine Rechnung. Wenn du weißt, welche Faktoren hineingehören, kommst du zu einer Zahl, hinter der du selbstbewusst stehen kannst. In diesem Artikel gehen wir die Kalkulation Schritt für Schritt durch.

Der Denkfehler beim Angestelltenvergleich

Viele Freelancer orientieren sich am letzten Angestelltengehalt und rechnen es einfach auf die Stunde herunter. Das führt fast immer zu einem viel zu niedrigen Satz. Der Grund: Als Selbstständiger trägst du Kosten, die früher dein Arbeitgeber übernommen hat.

Dazu kommt, dass du als Angestellter für jede bezahlte Stunde auch tatsächlich Geld bekommst, inklusive Urlaub und Krankheit. Als Freelancer verdienst du nur, wenn du wirklich für Kunden arbeitest. Genau diese Lücke musst du in deinem Stundensatz einpreisen.

Schritt 1: Dein Wunschgehalt festlegen

Starte mit der Frage, wie viel du im Jahr verdienen willst, bevor Steuern abgezogen werden. Sei dabei ehrlich zu dir selbst und denke nicht nur an die Miete, sondern auch an Rücklagen, Altersvorsorge und ein wenig Puffer.

Diese Zielzahl ist dein Ausgangspunkt. Sie ist noch nicht dein Umsatz, sondern das, was am Ende für dich übrig bleiben soll. Alles, was darüber hinaus an Kosten anfällt, kommt in den nächsten Schritten obendrauf.

Schritt 2: Betriebskosten und Vorsorge einrechnen

Als Selbstständiger zahlst du eine ganze Reihe von Dingen selbst. Diese Posten musst du auf dein Wunschgehalt aufschlagen, damit am Ende wirklich genug übrig bleibt. Typische Kostenblöcke sind:

  • Kranken- und Rentenversicherung sowie weitere Vorsorge

  • laufende Betriebskosten wie Software, Büro, Versicherungen und Hardware

  • Weiterbildung, Fachliteratur und Mitgliedschaften

Rechne all diese Kosten zusammen und addiere sie zu deinem Wunschgehalt. Erst diese Summe zeigt, welchen Umsatz du im Jahr tatsächlich erwirtschaften musst.

Schritt 3: Die fakturierbaren Stunden ehrlich schätzen

Jetzt kommt der Punkt, an dem die meisten Kalkulationen kippen. Ein Jahr hat zwar viele Arbeitsstunden, aber längst nicht alle kannst du einem Kunden in Rechnung stellen. Urlaub, Krankheit, Feiertage und Wochenenden fallen weg.

Und auch von den verbleibenden Arbeitstagen geht ein erheblicher Teil für Dinge drauf, die niemand bezahlt: Buchhaltung, Akquise, Angebote schreiben, E-Mails, Weiterbildung. Realistisch ist nur ein Teil deiner Arbeitszeit wirklich fakturierbar. Wer hier ehrlich rechnet statt optimistisch, landet bei einem belastbaren Stundensatz.

Schritt 4: Den Stundensatz ausrechnen

Jetzt setzt du die Teile zusammen. Du teilst deinen benötigten Jahresumsatz, also Wunschgehalt plus alle Kosten, durch die Zahl deiner fakturierbaren Stunden im Jahr. Das Ergebnis ist dein Mindeststundensatz, der deine Kosten deckt und dir dein Zielgehalt sichert.

Beachte, dass dies ein Nettowert ist. Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist, kommt die Umsatzbesteuerung noch obendrauf, die du an das Finanzamt weiterleitest. Wie genau das in deinem Fall zu behandeln ist, klärst du am besten mit deinem Steuerberater.

Schritt 5: Markt und Wert nicht vergessen

Die Rechnung liefert dir die Untergrenze. Nach oben gibt es Spielraum, und den solltest du nutzen. Wie viel deine Arbeit wert ist, hängt auch von deiner Erfahrung, deiner Spezialisierung und dem Nutzen ab, den du für den Kunden schaffst.

Wer ein seltenes Problem löst oder messbaren Mehrwert liefert, kann deutlich mehr verlangen als der reine Kostendeckungssatz. Der berechnete Wert ist also dein Fundament, nicht deine Decke. Behalte beides im Blick: deine Zahlen und den Markt.

Fazit

Ein guter Stundensatz entsteht nicht aus dem Bauch, sondern aus einer klaren Rechnung: Wunschgehalt plus Betriebskosten plus Vorsorge, geteilt durch deine ehrlich geschätzten fakturierbaren Stunden. Diese Zahl ist deine Untergrenze, dein Marktwert kann darüber liegen. Wer so kalkuliert, vermeidet die typische Unterbezahlung und kann selbstbewusst auftreten.

Sobald dein Stundensatz steht, hilft dir Billendo dabei, ihn umzusetzen: Du erstellst Angebote, wandelst sie mit einem Klick in eine Rechnung um und behältst im Dashboard Umsatz und offene Posten im Blick. So siehst du jederzeit, ob deine Kalkulation in der Praxis aufgeht.